Support-Unterwäsche – warum mehr Halt nicht automatisch besser ist

Herrenunterwäsche wird häufig mit Support für die Hoden beworben. In dieser Expertenmeinung diskutieren wir das Thema und ziehen ein Fazit, wie wir als Textilinnovator zum Thema stehen.  

Expertenmeinung zum Thema Support-Unterwäsche

In den letzten Jahren hat sich auf dem Markt für Herrenunterwäsche ein Trend abgezeichnet, bei dem viele Unterwäsche-Konstruktionen mit Support beworben werden. Gemeint ist ein Anheben und oder Anheben und Fixieren der männlichen Genitalien nahe am Körper. Was im Marketing-Jargon nach Schutz, Komfort und gesund klingt, wirft bei genauerer Betrachtung anatomischer und physikalischer Zusammenhänge jedoch Fragen auf.

Fehlende Notwendigkeit das Skrotum zu halten oder zu stützen

Auch wenn Support häufig als positive Eigenschaft dargestellt wird, eine physiologische Notwendigkeit besteht bei gesunden Männern nicht. Anders ausgedrückt: Die Hoden müssen nicht durch ein Kleidungsstück gehalten werden. Uns sind keine Studien mit gesunden Männern bekannt, die belegen, dass Support-Unterwäsche für Männer die Funktion der Genitalien in irgendeiner Weise verbessert, ebenso wenig, dass eine natürliche Positionierung der Genitalien nachteilig für deren Funktion ist. Im Bereich postoperative Pflege oder zur therapeutischen Unterstützung oder Therapie von Krankheiten gibt es durchaus Indikationen, diese möchten wir jedoch an dieser Stelle nicht thematisieren. 

Das biologische Prinzip der Distanz

Die männliche Anatomie nutzt im Wesentlichen ein einfaches Prinzip zur Thermoregulation. Die Hoden befinden sich im Hodensack (Skrotum) außerhalb der Körperhöhle. Für die normale Spermatogenese ist ein Temperaturniveau erforderlich, das leicht unterhalb der Körperkerntemperatur liegt. Die Entfernung zum kleinen Becken dient dabei als natürlicher Schutzmechanismus vor der Körperwärme und wird durch den Musculus Cremaster reguliert. Eine generelle Verringerung des Abstands der Hoden zum Körper ist also physiologisch aus gutem Grund nicht vorgesehen.

Wissenschaftliche Untersuchungen verdeutlichen die Empfindlichkeit dieses Systems. So fand eine Studie von Abdelhamid et al. (2019), dass bereits eine künstlich herbeigeführte Temperaturerhöhung der Hoden und Nebenhoden um 1,5 bis 2° C Auswirkungen auf die Spermienmorphologie haben kann. Mínguez-Alarcón et al. (2018) beobachteten in einer Untersuchung, dass Männer, die überwiegend weite Boxershorts trugen, höhere Spermienkonzentrationen aufwiesen als Männer in eng anliegender Unterwäsche.

Das Anheben der Männlichen Genitalien, insbesondere des Skrotums, betrachten wir unter Berücksichtigung des Vorangegangenen folglich als physiologisch nicht sinnvoll. Inwieweit dies tatsächlich reproduktionsbiologische Implikationen mit sich bringt, ist weiterhin nicht abschließend geklärt und Gegenstand der Forschung. 

Weitere Infos zum Thema Unterwäsche und Spermienqualität findest du hier.

Das mechanische Dilemma 

Während die Mechanismen der skrotalen Thermoregulation als gut erforscht und anerkannt gelten, konnten wir keine wissenschaftlichen Studien mit Belegen für eine positive Funktion von Support-Unterwäsche irgendeiner Art finden. Hiermit ist explizit normale supportative Unterwäsche gemeint, nicht klassische Tiefschutzkappen, wie sie beispielsweise beim Kampfsport eingesetzt werden. 

Freehill et al. (2015) zufolge treten Hodenrupturen dann auf, wenn die Hoden bei einer Krafteinwirkung gegen das Becken, einen Tiefschutz oder die Oberschenkelinnenseite eingeklemmt werden. Dieser Mechanismus kann unserer Einschätzung nach durch das Fixieren der Genitalien am Körper möglicherweise begünstigt werden, da der Hodensack nicht mehr frei beweglich ausschwingen kann. 

Vereinfacht gesagt, sehen wir bezüglich des Impactschutzes keine Vorteile, sondern halten vielmehr die Verminderung und oder das zumindest teilweise Aushebeln natürlicher Schutzmechanismen für wesentlich plausibler. Wir halten Support dementsprechend auch hier für nicht sinnvoll. 

Support-Unterwäsche und Komfort

Es ist letztlich eine Frage des persönlichen Empfindens, ob man das hin und her Schwingen des Hodensacks im Alltag und oder beim Sport als störend empfindet oder nicht. Einige der Probleme, über welche Männer bezüglich ihrer Unterhosen berichten, wie z.B. Kneifen oder Notwendigkeit immer wieder alles zurecht rücken zu müssen, entstehen unserer Einschätzung nach zumindest teilweise durch das Konstruktionsprinzip Support bzw. durch eine zu enge Frontpartie, die wenig Raum für das Skrotum lässt. 

Fazit - Ist Support-Unterwäsche sinnvoll?

Eine logisch herleitbare oder wissenschaftlich fundierte Begründung, die für Support Unterwäsche spricht, gibt es unserer Einschätzung nach nicht. Aus physiologischer Sicht bleibt das freie Hängen ohne künstliche Anhebung das Modell, das der natürlichen Thermoregulation und Schutzfunktion des Körpers am nächsten kommt. Bei der Wahl von Unterwäsche kann es daher sinnvoll sein, Schnittformen zu bevorzugen, die Freiraum gewähren, anstatt auf eine unnatürliche Haltefunktion zu setzen. 


Autor: Alexis Knell 


Transparenzhinweis: 

Wir möchten darauf hinweisen, dass dieser Artikel von uns als Hersteller einer innovativen Herrenunterwäsche verfasst wurde. Wir legen hiermit offen, dass wir ein wirtschaftliches Interesse am Thema haben. Uns liegen keine eigenen wissenschaftlichen Studien zu den Auswirkungen unserer Produkte auf die Hodentemperatur oder Fruchtbarkeit vor. Unsere Produkte bieten explizit keinen physikalischen Schutz für die Genitalien gegenüber Aufprallenergie. Aussagen zu möglichen physiologischen Effekten beruhen auf allgemein zugänglicher Fachliteratur und physikalischen Überlegungen. Dieser Beitrag stellt keine medizinische Beratung dar und ersetzt nicht die Konsultation durch Ärztinnen oder Ärzte.


Quellen:

  1. Mínguez-Alarcón, L., Gaskins, A. J., Chiu, Y.-H., Messerlian, C., Williams, P. L., Ford, J. B., Souter, I., Hauser, R., & Chavarro, J. E. (2018). Type of underwear worn and markers of testicular function among men attending a fertility center. Human Reproduction, 33(9), 1749–1756. https://doi.org/10.1093/humrep/dey259
  2. Abdelhamid, M. H. M., Walschaerts, M., Ahmad, G., Mieusset, R., Bujan, L., & Hamdi, S. (2019). Mild experimental increase in testis and epididymis temperature in men: Effects on sperm morphology according to spermatogenesis stages. Translational Andrology and Urology, 8(6), 651–665. https://doi.org/10.21037/tau.2019.11.18
  3. Freehill, M. T., Gorbachinsky, I., Lavender, J. D., Davis, R. L., III, & Mannava, S. (2015). Presumed Testicular Rupture During a College Baseball Game: A Case Report and Review of the Literature for On-Field Recognition and Management.
    Sports Health, 7(2), 177–180. https://doi.org/10.1177/1941738114537786

 

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